St_Ursula_NiembergSt. Ursula im Dorfkern von Niemberg ist eine neuromanische Kirche (errichtet 1862/63 nach Plänen des Architekten Friedrich August Stüler) mit einem Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert (aus dem romanischen Vorgängerbau übernommen).
Im Schrein ist eine Madonna auf der Mondsichel zwischen je 2 Heiligen. In den Flügeln die Apostel in zwei Reihen, in der Predella befindet sich ein Relief der Anbetung. Die Außenseiten der Flügel, welche mit vier Heiligen bemalt sind, zeigen Anklänge an die Cranach-Schule.

Von dem ursprünglichen, sicher schon um 1100 errichteten Kirchengebäude ist nichts mehr vorhanden1), von irgendwelchen Vorgängerheiligtümern erst recht keine Spur zu finden. Wenn jedoch das Gräberfeld am Burgstetten etwas mit dem um 350 vom Donaudelta her gekommenen Warinern zu tun hat, dann könnte dies ein Hinweis auf das nach Thüringen überbrachte ostgotische Christentum sein. Und dann ist es gut denkbar, das am Platz der jetzigen Kirche einst ein erster christlicher Altar errichtet wurde. Der jetzige Bau in rotem Porphyr ist ein Zeugnis des 19. Jahrhunderts.

Sankt Ursula

Ursula ist eine bedeutende Heilige des in der Minnesängerzeit besonders hochstilisierten „Jungfrauenkultes“, der ja zunächst einen Schutz der Mädchen gegen die allzu männlichen Übergriffe darstellte. Denkbar ist aber auch, daß ähnlich wie von der Plößnitzer Madonna, auch von Ursula eine Gegenwirkung gegen die „Heiratsmärkte“ am Plößnitzer Osterberg mit deren „Lustbarkeiten“ erwartet wurde.
Doch blieben allem Predigen zum Trotz die „Heiratsmärkte“ (so z. B. auf dem Petersberge) bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wichtige, weil familienbildende Veranstaltungen. Niemberg ist immer Sitz einer bedeutenden Pfarrei gewesen, deren in jüngster Vergangenheit namhaftester Vertreter Pfarrer Dr. Loeber, als streitbare und prägende Gestalt noch gut in Erinnerung ist.
 

Anmerkungen

1) Dass vom Vorgängerbau der Kirche Sankt Ursula nichts mehr vorhanden wäre, das kann so nicht mehr gesagt werden.
Bei Straßebauarbeiten um die Kirche herum wurden noch Grundmauern der alten Kirche gefunden.
Steine vom Fundament der Apis hat der Gemeindekirchenrat in Erinnerung an die alte Kirche im Kirchengrundstück deponirt.
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Eine Tafel mit Bild informiert über die alte Kirche.
Geweiht wurde die neue Kirche Sankt Ursula am 24. Oktober 1864.
Sankt Ursula wurde wohl als Schutzpatronin gewählt, weil ihr Gedenktag (der 21. Oktober) in unmittelbarer Nähe zum Kirchweihsonntag liegt.
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2) Neben dem Flügelaltar erwähnenswert ist die Wäldner-Orgel, die erst kürzlich grundlegend saniert wurde.
Vorgestellt wird die Niemberger Orgel auch unter http://www.orgel-information.de/
Direkt zur Orgel von Niemberg geht es hier.
Niemberg-Orgel-Wäldner
3) Bemerkenswert ist auch der knieende Taufengel (siehe Bildergalerie), eine bronzene Nachbildung des von B. Thorwaldsen 1838 geschaffenen marmornen Taufengels in der Frauenkirche Kopenhagen.
 

Bilder

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altSt. Simon et Judae in Eismannsdorf ist eine kleine alte romanische Bruchsteinkirche. Das Gebäude wird in das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts datiert und zeigt auch frühgotische Form-Elemente. Die Mauerfugen zwischen Turm und Schiff belegen deutlich, dass der Turm erst in (nicht viel) späteren Zeit angesetzt wurde.

Der Name der Kirche läßt vermuten, daß ein Vorgängerbau schon um 1000 begründet wurde. Aber nicht, weil man Simon Petrus und Judas Ischariot erinnern wollte, sondern weil in der Frühzeit des Kirchenbaues die alte Überlieferung noch bekannt war, daß die zwölf Apostel die damalige Welt in zwölf „Missionsbezirke“ aufteilten.

Bei dieser Aufteilung fiel den Aposteln Simon aus Kana und Judas ben Jakobus, also gewiß nicht der Ischariot, das Gebiet um die Donau und das Rheinland zu. Und genau darum heißen viele der ältesten Kirchengründungen in Mitteleuropa nach diesen Aposteln „Kirche des Simon und Judas“.

 

Text: Manfred Thon, überarbeitet von Johannes Thon

Nachtrag: Bemerkenswert sind auch die historischen Grabsteine auf dem Friedhof Eismannsdorf, der die Kirche umgibt.

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